Wie viele WKA? - Pro Kulmerauer Allmend

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20.10.2022

4'439 Turbinen gefällig?

Oder wenigstens 1'000?
Siehe auch Wind­ener­gie – georgschwarz  Sehr informativ!

Was ist passiert?

Das Bundesamt für Energie (BFE) lässt durch die Firma METEOTEST (Bern) das Produktionspotenzial Windkraft landesweit neu einschätzen.

Bisher: Die ES 2050 rechnet noch 2020 mit einem Beitrag der Windenergie von 4,3 TWh/a.
(Erläuterungsbericht Konzept Windenergie Bund, S. 7)
Das wären etwa 7% des gesamten Landesverbrauchs.  
Landesverbrauch 2021  gemäss Elektrizitätsstatistik brutto 62.5 TWh/a.

Neu:   Die Studie METEOTEST stützt sich auf den WINDATLAS 2019 (ebenfralls BFE) und kommt auf
Gesamtpotenzial 29.5 TWh/a!   Das wäre fast die Hälfte des Landesverbrauchs!
Begründung für diesen gewaltigen Sprung: Technische Entwicklung, veränderte politische Bedingungen.

Wald: 50,1% des Gesamtpotenzials liegen im Wald! Damit würden auch die Waldgebiete
grossflächig mit Turbinen durchsetzt.

Aufteilung der 4'439 Turbinen nach Naturräumen:
Das Mittelland würde mit 20,6 TWh/a am meisten Strom liefern mit 1'979 Turbinen
Die Alpen am wenigsten (1'287 Turbinen)
Jura und Alpentäler liegen dazwischen (1'173 Turbinen)
(Näheres zu den Berechnungen siehe Studie S. 11)

Nicht überall die gleichen Turbinen:
Die unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten und Stärken von Turbulenzen und Böen erlauben nicht überall die gegenwärtig grössten Turbinen.

Die Studie nimmmt deshalb an:  (Details zu den Maschinen https://www.enercon.de/produkte/ )
- Mittelland:          Enercon E-160, 5,5 MW. (Zahl bezieht sich auf den Rototdurchesser, Gesamthöhe mind. 220m)
- Jura/Alpentäler: Enercon  E-138, 4,2 MW
- Alpen:                   Enercon  E-92,   2,3 MW

Vergleich mit Deutschland:
CH = 41'285 km2      D = 357'588 km2
Deutschland ist 8,66 Mal grösser.
Rechnen wir die 4'439 x 8,66 hätte Deutschland bei gleicher Dichte 38'442 Turbinen (Bestand 2021 28'230 WKA)!
Wir hätten also eine grössere Turbinen-Dichte als Deutschland heute!

Auswirkung auf die Landschaft:
Bei dieser Turbinen-Dichte ist anzunehmen, dass von jedem Standort mit etwas Weitblick aus  Windturbinen zu sehen wären. Damit wäre die Schweiz ein riesiger Windpark geworden.  Die schönen, ruhigen Landschaften - gleich wertvoll für EInheimische und Touristen - würden stark beschädigt, der Landschaftsschutz geopfert.

Besonderheit: Abstände aus Lärmschutzgründen (!)
Als Neuheit legt die Studie endlich konkrete Abstände aus Lärmschutzgründen fest jund nennt sie "Puffer".
-> 300 m um  Bauzonen (ausser Arbeits- und Verkehrszonen)
-> 500 m um Wohn- und Mischzonen
-> 300 m um Hektaren mit mehr als 1 Einwohner
Zu klein, aber immerhin...

Grosse Puffer - bis 20 km - um Militärflugplätze, Radare etc.

Winterstrom: Dazu äussert sich die Studie sehr vorsichtig
Die Schätzung reicht von 55% - 70% der Jahresproduktion zwischen Oktober bis März. Es gebe jedoch lokal starke Unterschiede. Bei 55% wären es "ungefähr" 16,3 TWh/a.
Das heisst aber, dass im Sommer 45% von 29.5 TWh/a produziert würden und damit im Winter bloss 10% = 2,95 TWh mehr anfielen.

Exkurs:
Die "Winterlücke" zu beziffern ist schwierig
, da auch in den Wintermonaten (Oktober - März) je nach Netzzustand ein steter Wechsel zwischen Export und Import stattfindet. Fast immer aber reicht im Winter die einheimische Produktion  nicht aus. Zitat aus der El-Statistik 2021 S. 34, Punkt 6.2: "In neun der letzten zehn Winter reichte die inländische Produktion nicht aus, um den Strombedarf zu decken." Die Zahlen varieren:  
Beispiele:    Winter 16/17 Gesamteinfuhr  -> 21,852 TWh,  Einfuhr-Überschuss 9,745 TWh.  
                    Winter 20/21 Gesamteinfuhr -> 17,739 TWh, Einfuhr-Überschuss 1, 815 TWh
   Weitere Details in El-Stat. 2021, Tabelle 27, S. 35. Die Elektrizitätsstatistik ist in "Windprobleme
                    -> Technik, Daten/Statistik" zu finden.
Fazit:             Die Schweiz kann sich im Winter nicht aus eigener Kraft mit genügend Strom versorgen.
                          Eine Energiestratregie müsste dafür Grosskraftwerke bereitstellen. Diese können die  
                           nötige Grundlast liefern, unabhängig vom Wetter.     
Zudem von Bedeutung:
                          Unter den Stromerzeugungs-Verfahren haben Sonne und Wind eine äusserst geringe
                          Energiedichte.
                             Folge: pro erzeugter TWh brauchen diese "Erneuerbaren" einen viel höheren Materialaufwand,
                              z.B. bis zu fünfzigmmal mehr als ein Kernkraftwerk. (NZZ.ch 28-9-22)

Nur 1'000 Turbinen?
Die Idee stammt von SuisseEole. In ihrer Pressemitteilung zur METEOTEST-Studie meint sie:
"Wenn 30% dieses (...) Potenzials erschlossen werden, was rund 1'000 Windenergieanlagen entspricht, könnten (...) 8,9 TWh Windstrom pro Jahr (...) produziert werden."
 Pressemitteilung - Suisse Eole (ganz am Schluss)

Und wenn es nicht windet?
Dann bleiben die bekannten Probleme:
-> Es braucht Grundlast-Strom und die entsprechenden Werke
-> Die Speichermöglichkeiten der Pumpspeicher-Werke sind völlig ungenügend

Für weitere Details hier die ganze METEOTEST-Studie vom 24. 08. 2022. Nicht uninteressant!


03.03.2022
Wie viele Windturbinen sollen in der Schweiz gebaut werden?
400 ?
 600 ?
 832 ?
1000?
  (47)
Alle diese Zahlen sind  nicht aus der Luft gegriffen. Sie basieren auf Dokumenten oder nachprüfbaren Aussagen!

Im Einzelnen:
400 ?
600 ?
 Das sind die offiziellen Zahlen der Energiestrategie 2050:
Erläuterungsbericht Konzept Windenergie Bund  25. 9. 2020, S. 8:
-> Der Vollausbau der Windenergieproduktion in der Schweiz auf 4.3 TWh/a erfordert     die Errichtung von rund 400 bis 600  oder 40 bis 60 Windpärke mit je 10 Anlagen.

Auch die Höchstzahl von 600 Anlagen scheint aus heutiger Sicht eher gering. Sie setzt voraus, dass
A) die durchschnittliche Nennleistung des gesamten Schweizer Parks höher ist als
  heute, d.h. etwa 4 MW*, und dass
B) möglichst viele Turbinen an Standorten mit den besten Windaufkommen stehen.  

 *) Bis heute ist noch keine Grossturbine von dieser Leistungsklasse in der Schweiz installiert,
   die Spanne reicht von 2 - 3,3 MW.
Auch neue Windparks sind oder werden zur Zeit nicht mit Anlagen der höchsten Leistungsklasse (aktuell über 5 MW!) ausgerüstet.
Beispiele:  San Gottardo (Eröffnung Okt. 2020): 5 x 2.35 MW
Ste-Croix (im Bau): 6 x 2.3 MW

Wer mit den Zahlen ein bisschen spielen möchte, kann durch Klick auf die obige Grafik die EXCEL-Tabelle öffnen.
► Die Werte für Nennleistung und Auslastung (heute Schnitt um die 20%)
  können verändert werden.
► Klick aufs blaue Feld bringt dann die nötige Anzahl WKA für 4,3 TWh
  Jahresproduktion.
 (Je nach Browser kann die Datei sofort geöffnet oder muss zuerst die Tabelle
heruntergeladen werden. In beiden Fällen dann Bearbeitung aktivieren.)

832 ?

Diese Zahl setzt sich zusammen aus:

A) Angaben von Freie Landschaft*: Geplante Anlagen (EVS-Zusicherung) 430
                    Auf der Warteliste                             361

B)      Gegenwärtig  im Betrieb (Grossanlagen)                                                41
    *) (Zahlen: Pronovo, 3.Quartal, 4.10.20)                                       Total          832

1000 ?

Das ist das Fernziel von SuisseEole, wie es der Geschäftsführer Lionel PERRET formulierte in der Fernsehsendung  "Temps Présent" von RTS am 3. 12. 2020.
(Aktuell 2020/21. 7.12.2020)

Was wir damals dazu sagten:

►   Lionel Perret, Geschäftsführer von Suisse Eole, bestätigt das anvisierte Ziel: 15% Windstrom-produktion aus 1000 Anlagen in 80 - 100 Windparks als nächste Phase  innerhalb einer Generation. Das bringe gewiss visuell eine Veränderung   der Landschaft, aber das werde der Beginn sein für eine Gesellschaft,  die gemäss nachhaltigen Prinzipien funktioniere, für diese also ein  reales  Plus.   

Nun:  Die 1000 industriellen Gross-Anlagen kommen einer Zersiedelung gleich,  die man ja bekämpfen will. Und vielleicht braucht dann auch eine  "nachhaltige Gesellschaft" noch die Seelenräume einer geschonten  Landschaft ...

    47

Die Zahl der gegenwärtig (März 2022) im Betrieb befindlichen Grossturbinen.
► Dazu zählen wir Anlagen mit über 100 kW installierter Leistung (Nennleistung),
  mit Ausnahme der Einzelturbine auf dem Oberen Grenchenberg (150 kW, aber
  bloss 30 m Nabenhöhe).

mit aktuellen Produktionsdaten. (Im Sept. 23 fehlt noch Ste-Croix/6 Turbinen)

Siehe auch in AKTUELL 10.3.2022:
So viele Windräder? Zwei Gasturbinen tuns auch!



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